Du bist Castroper, wenn...
CASNews-Serie "Heimat", Teil VII: Guido Baumann, Facebook und ein Stadtteilverein
- 31.07.2026 um 16:45
- Castrop-Rauxel
„Als der Markplatz in der Altstadt überplant wurde und asphaltiert werden sollte, war das so etwas wie eine Initialzündung. Ich dachte mir: Das geht gar nicht!“, blickt Guido Baumann auf das Jahr 2013 zurück. Die Bürgerinitiative „Marktplatzerhalt statt Strukturasphalt“ wurde gegründet, und Guido Baumann war ihr Sprecher. „Eine kleine Bürgerinitiative hat erreicht, dass der Planungsprozess noch einmal aufgenommen wurde und es am Ende eine qualitativ hochwertigere Lösung gab. Daran hat man gesehen, dass man mit einer kleinen Menge etwas verändern und anstoßen kann.“ Dies ist einer der Gründe, warum sich Guido Baumann auch weiterhin in seiner Heimatstadt engagiert. Mit dem 58-jährigen Rauxeler geht die CASNews-Heimat-Serie in die siebte Runde.
„Unser Rauxel e.V.“ und „Du bist Castroper, wenn…“: Beides ist untrennbar mit Guido Baumann verbunden. Der Stadtteilverein "Unser Rauxel" wurde 2018 gegründet und hat heute rund 75 Mitglieder. „Wir haben uns in Rauxel ein Stück weit abgehängt gefühlt und als sich andere Stadtteilvereine gründeten, dachten wir: Warum macht man das nicht auch in Rauxel?“ Eigentlich habe er im Verein „die Nummer zwei“ spielen wollen, sagt Guido Baumann. Aber es kam anders, denn der erste Vorsitzende habe sich anderweitig orientiert und so übernahm Baumann das Ruder. „Unser Rauxel“ will Menschen zusammenbringen und durch verschiedene Veranstaltungen, Aktionen und Projekte das Miteinander im Stadtteil stärken. Das geschieht beispielsweise beim regelmäßigen Stammtisch. Mangels Kneipe trifft man sich jeden zweiten Montag im Monat ab 18 Uhr im Sirtaki-Grill an der Ilandstraße. Jeder ist willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. „Politische Sprechstunden sind die Aufgabe der Parteien“, macht Guido Baumann deutlich, worum es beim Stammtisch nicht geht. Bei Bedarf stelle er aber Kontakte her oder gebe Infos weiter. Gemeinsame Ausflüge, der Herbstmarkt, der Neujahrspunsch, die Stadtteilzeitung „Rauxeler Raupe“ mit einer Auflage von 3.000 Exemplaren, Veranstaltungen wie der „Klön“, der viermal im Jahr am Kunoplatz oder an anderen öffentlichen Stellen in Rauxel stattfindet, sind einige weitere Beispiele für das Wirken des Stadtteilvereins.
„Ich erinnere mich noch gut an unseren ersten Herbstmarkt. Da kam jemand aus der Alleestraße quer über die Straße gelaufen, breitete die Arme aus und sagte zu einem der Besucher: ‚Mensch, wir haben uns lange nicht gesehen!‘ Genau so soll es sein. Und am Ende der Veranstaltung sollen die Leute zufrieden nach Hause gehen“, sagt Guido Baumann.
"Themen, über die man sprechen muss"
Das Miteinander zu stärken, gewinne in Zeiten von zunehmender Polemik, Schmutzkampagnen und Meinungsmache immer mehr an Bedeutung. „Es gibt Themen, über die man sprechen muss, aber man hat das Gefühl, dass man Probleme nicht mehr ansprechen darf, ohne in irgendeine Ecke gedrängt zu werden. Auch in unserer Stadt gibt es Problemecken – beispielsweise an der Wartburgstraße. Viele der Höfe sind komplett vermüllt. Die dort lebenden Rumänen und Bulgaren haben eine andere Lebensweise als wir, und die ist erst einmal gewöhnungsbedürftig. Es verwundert einen schon, wenn man jemanden im Schlafanzug und Bademantel einkaufen gehen sieht.“
Facebook-Gruppe
In der Facebook-Gruppe „Du bist Castroper, wenn…“ sei er auch schon in alle Ecken gedrängt worden, erklärt Guido Baumann. „Links, grün, rechts: Da habe ich schon alle Hüte aufbekommen.“ Die Gruppe sei am 2. Juli 2012 von Herrn Meier gegründet worden. "Seinerzeit ging es vor allem um Historie und alte Bilder, nach dem Motto: Du bist Castroper, wenn du dich an diese und jene Geschichte erinnerst.“ Rund zwei Jahre später sei Herr Meier verzogen und habe keine Zeit mehr gehabt, sich um die Gruppe, die ca. 4.500 User zählte, zu kümmern. Kerstin Behrens und Guido Baumann setzten sich zusammen, überlegten, planten und übernahmen schließlich. „Wir haben das Ganze einmal auf links gedreht und Regeln aufgestellt. 500 Leute sind erstmal verschwunden, weil sie das doof fanden, aber wir haben unseren Turn gemacht.“
31.585 Mitglieder
Heute hat die Facebook-Gruppe 31.585 Mitglieder. Mittlerweile ist Guido Baumann alleiniger Administrator, weil Kerstin Behrens ebenfalls aus Castrop-Rauxel wegzog. „Ich sehe mich in erster Linie als Beobachter und Lenker, der die Gruppe mit seichten Leitplanken so administriert, dass alle Seiten gut vertreten sind“, erklärt Baumann. Sobald jemand vernünftig argumentiere, habe er „alle Berechtigung, Sachen kritisch anzusprechen. Es gibt unterschiedliche Meinungen und manche muss man einfach aushalten.“ Die Gruppe sei mittlerweile sehr pflegeleicht und es gebe eine gute Meldekultur. Früher habe man kaum Möglichkeiten gehabt, reinzugrätschen, heutzutage schon. Zum Beispiel funktioniere die Beitragsgenehmigung mittlerweile sehr gut. All das führe dazu, dass die Admintätigkeiten nicht viel Zeit in Anspruch nehmen würden. „Ca. eine Stunde am Tag“, rechnet Baumann, der als Technischer Dezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg arbeitet.
(Fast) immer in Castrop-Rauxel gelebt
Er habe es noch nie aus Castrop-Rauxel rausgeschafft, verrät er lachend. Fast nie, denn dank der Kasernenpflicht ging es während der Bundeswehrzeit für anderthalb Jahre nach Münster. Nach dem Studium habe er dann mit dem Gedanken gespielt, als Vermessungsingenieur an der Nordsee zu arbeiten, diesen Gedanken aber schnell wieder verworfen. „Ich habe mich gefragt: Was machst du da im Winter? Urlaub ja, aber dauerhaft dort leben? Nein! Hier im Ruhrgebiet hat man alles auf einem Haufen zusammen. In Rauxel wohne ich außerdem fünf Minuten vom ersten Wald und 20 Minuten vom zweiten Wald entfernt. Wir sind mehr als ein Dorf, aber eigentlich sind wir doch eins. Und wenn jemand in Not gerät, steht Castrop-Rauxel zusammen.“
Zum Ende unseres Gespräches bitten wir Guido Baumann, „Du bist Castroper, wenn…“ in seinem Sinne zu vervollständigen. Er muss nicht lange überlegen: „Du bist Castroper, wenn du dich in deiner Heimatstadt wohlfühlst.“
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- Quelle(n):
Autor
Nina Möhlmeier
Freie Mitarbeiterin
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