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"Kunst Anne Bude" mit (v.l.) Christel Trösken, Anne Trösken, Jörg und Monika Freudl. | Bild: Nina Möhlmeier

"Kunst Anne Bude": Kunst, Gemeinschaft, Nachbarschaft

CASNews-Serie "Heimat", Teil VIII: Anne und Christel Trösken und eine ehemalige Trinkhalle auf Schwerin

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„Ich brauche bloß Papier und Stift und dann kritzele ich irgendwas. Das war immer schon so. Es ist meine Art, mich auszudrücken“, verrät Anne Trösken. Industrie, Natur, Menschen: Anne Trösken hat Spaß am Zeichnen, und das Spektrum ihrer Werke ist vielfältig. Die Motive – unter anderem Hammerkopturm, Erinturm, Sonnenuhr, Bergbeamtenhaus oder Lambertuskirche – stammen oftmals aus ihrer Heimatstadt Castrop-Rauxel. Anne Tröskens Zeichnungen sind der Grund dafür, dass eine ehemalige Trinkhalle auf Schwerin heute Ausstellungsort, Ort der Begegnung und Ort des Austausches ist. Im achten Teil unserer CASNews-Heimat-Serie sind wir bei „Kunst Anne Bude“ an der Bodelschwingher Straße 19 zu Gast.


Anlaufstelle


Gleich bei unserer Ankunft wird deutlich: Die ehemalige Trinkhalle ist eine Anlaufstelle für viele Schweriner. Immer wieder bleibt jemand auf einen Plausch stehen oder kommt kurz ins Büdchen, um „Hallo“ zu sagen. Auf Wunsch gibt es etwas Süßes oder auch schon mal ein Getränk. Auch bei den Vierbeinern scheint das Büdchen äußerst beliebt zu sein – sie wissen offenbar ganz genau, dass sie hier mit Hundeleckerlis versorgt werden.


Die Schwestern Anne (70) und Christel (68) Trösken wurden in Castrop-Rauxel geboren. Christel ging nie von hier weg, Anne verließ die Stadt während des Studiums. Nach mehreren anderen Wohnsitzen kehrte sie schließlich wieder nach Castrop-Rauxel zurück. Das Areal an der Bodelschwingher Straße ist seit jeher in Familienbesitz. „Das kleine Gebäude war Teil des Grundstücks und unser Vater hat es 1956 zur Trinkhalle ausgebaut. Die ersten Betreiber wohnten gleich nebenan, und die Trinkhalle lief sehr gut“, blicken Anne und Christel zurück.


Neue Nutzung und viel Unterstützung


Ihr Vater habe die Trinkhalle über viele Jahre vermietet. "Anfang der 2000er Jahre schien die Zeit der Trinkhallen vorbei und schließlich wurde das Büdchen geschlossen. Seitdem lag es brach, und wenn etwas brach liegt, ist es kein Wertzuwachs“, sagt Anne Trösken. Die Idee, das Gebäude abzureißen, und Garagen dort hinzusetzen, blieb nur ein (heute nicht mehr vorstellbares) Gedankenspiel. Christel Trösken hatte eine andere Idee. "Ich sagte zu Anne: ‚Wir richten das Gebäude wieder her und du stellst hier deine Bilder aus. Das wird was!‘“ Sie sollte recht behalten.


Jörg Freudl war live dabei, als „Kunst Anne Bude“ am 28. November 2021 eröffnet wurde – wobei dank der Pandemie mit all ihren Einschränkungen eigentlich nicht von einer Eröffnung gesprochen werden kann. „Wir haben also gesagt: ‚Die Rolläden gehen endlich hoch‘“, erklären die Schwestern. Und genau das sah Jörg Freudl, als er an jenem Tag am Büdchen vorbeifuhr. Kurzentschlossen hielt er an, betrat das Büdchen, ging auf die Wand zu, sah eines der Bilder und sagte: „Das will ich haben!“ Freudls Büdchen-Besuch hatte zur Folge, dass er selbst wieder zum aktiven Maler wurde und „Kunst Anne Bude“ gemeinsam mit seiner Frau Monika tatkräftig unterstützt. „Ohne die Beiden kann hier kein Fest stattfinden. Und es gibt auch viele andere Menschen im Hintergrund, ohne die das alles nicht möglich wäre“, wissen Anne und Christel Trösken.


Mehr als drei Jahre seien ihre Werke bei „Kunst Anne Bude“ ausgestellt worden. „Dann wollte ich es nicht mehr, denn mir war wichtig, dass auch andere ihre Chance erhalten sollten, ihre Werke zu präsentieren“, sagt Anne Trösken. Dabei geht es den Schwestern nicht um den Bekanntheitsgrad des Künstlers, sondern darum, dass Kunst öffentlich gemacht wird, man dem Künstler einen Raum gibt, um gesehen zu werden.


Ausstellungen


Die erste Ausstellung, die nach Anne Tröskens Werken in „Kunst Anne Bude“ gezeigt wurde, war die Fotoausstellung „Vergangen – Leben ohne Kohle“ von Thomas Pflaum. Dann folgten die Bilder des Castrop-Rauxelers Valentin Kinkeldei, die noch bis zum 30. August an der Bodelschwingher Straße 19 zu sehen sind und auch erworben werden können. Anschließend gibt es die nächste Ausstellung – ebenfalls mit einem Castrop-Rauxeler Künstler.


Variable Öffnungszeiten


Mit jeder Ausstellung verändert sich der Ausstellungsraum. Er bekommt sozusagen ein neues Gesicht und sieht daher immer wieder anders aus. Im Moment beherrschen bunte Farben das Innere des ehemaligen Büdchens. Spontan schauen zwei Besucher vorbei, die sich Kinkeldeis Werke angucken möchten. Sie haben Glück, dass das Büdchen gerade geöffnet hat. Die Öffnungszeiten sind variabel, Terminvereinbarungen werden unter Tel. 0176 63311500 entgegengenommen.


Kreativität liegt in der Familie


Im Ausstellungsraum sind auch zwei Gefäßskulpturen von Annes und Christels Schwester Irmgard zu sehen. „Wir Schwestern sind alle sehr kreativ“, lächelt Christel Trösken. Sie unterrichtete Kunst an einer Förderschule, Anne Mathe und Kunst an einer Regelschule. 2019 ging sie in Pension. Wegen des Corona-Lockdowns war ans Ausgehen, Verreisen und so vieles nicht zu denken. Sie habe in dieser Zeit viel gezeichnet, sagt Anne Trösken. Wie viele Bilder sie im Laufe der Jahre gemalt hat, vermag sie nicht zu sagen. „Es sind Hunderte“, schätzt sie. Beim Zeichnen ginge es ihr ums Umsetzen und nicht ums fotografische Abbilden. „Als ich den Hammerkopfturm zeichnete, bin ich hingegangen und habe ihn wirklich studiert. Welche Strebe? Welches Eisenteil? Und es war mir ebenso wichtig, die Natur drumherum abzubilden.“


Gemeinschaft, Nachbarschaft und "Tag der Trinkhallen"


Kunst ist das eine, Gemeinschaft, Zusammenhalt und Nachbarschaft das andere, was „Kunst Anne Bude“ ausmacht. Kürzlich fand rund um das Büdchen ein Flohmarkt statt, der sehr gut angenommen wurde. Das Adventfest wird ebenfalls gefeiert und ist ein fester Bestandteil im Terminkalender. Auch am „Tag der Trinkhallen“ am 29. August mischt „Kunst Anne Bude“ mit. Ab 12 Uhr geht es los, es gibt Musik, Kunst, Kiosk und Kultur. Erzielen die Veranstaltungen Gewinn, wird dieser gespendet. Dieses Mal soll das Geld dem Frauenhaus zugutekommen. Der „Tag der Trinkhallen“ findet alle zwei Jahre statt, aber „Kunst Anne Bude“ lädt an diesem Tag jährlich zum Fest ein.


„Immer mal wieder bedanken sich Schweriner bei uns, dass unser Büdchen den Stadtteil ein bisschen wertiger macht. Wir kommen aus einer Nachbarschaft, in der man miteinander groß geworden ist, und dieses Miteinander hat uns geprägt“, sagen die Schwestern. Ein Stück davon möchten sie mit „Kunst Anne Bude“ an andere weitergeben. „Es ist unser Kiez“.


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  • Quelle(n):

Autor

Nina Möhlmeier

Nina Möhlmeier

Freie Mitarbeiterin

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