- Bild: CASNews Media / Nils Bettinger
Suchtberatung der Diakonie vor dem Aus
Kreis prüft, ob zunächst anderer Träger übernehmen kann
- 23.03.2026 um 16:43
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnieren„Die Suchthilfe der Diakonie ist ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Suchtbekämpfung in unserer Stadt“, sagt ein Betroffener (Name ist der Redaktion bekannt). Er schlägt Alarm, denn zum 1.Juli soll die Suchtberatung am Biesenkamp eingestellt werden. Das bestätigt Jörg Kasbrink, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes in Herne, auf CASNews-Anfrage. „Sofern der Kreis Recklinghausen keine auskömmliche Finanzierung sicherstellt, können wir das Angebot nicht weiter aufrechterhalten.“
Seit 1977 betreibt das Diakonische Werk Herne in der Castroper Altstadt eine Suchtberatungsstelle. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene. Die Suchtberatung selbst ist kostenlos. „Da Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten in unserer Gegend Mangelware sind und teils extreme Wartezeiten haben, sind die Einzelgespräche in der Diakonie für viele Menschen die einzige Möglichkeit, unbürokratisch und zeitnah Hilfe zu erhalten. Die Schließung führt zu einer unzumutbaren Ausdünnung der Suchthilfe, nicht nur in Castrop-Rauxel, sondern im gesamten Kreis Recklinghausen“, so unser Leser.
Die Suchthilfe kostet Geld. „Rund 40.000 Euro Eigenbeteiligung pro Jahr“, rechnet Jörg Kasbrink. Die Förderung durch den Kreis Recklinghausen reiche bei Weitem nicht aus und habe auch nie ausgereicht. Suchtberatung, so Kasbrink, sei eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Hand.
„Die Förderung der Suchtberatungsstellen wurde - mit Beschluss des Kreistages aus Ende 2023 - seit 2024 erheblich erhöht und dynamisiert, so dass tarifliche Steigerungen berücksichtigt werden können“, betont Kreissprecherin Lena Heimers. „Zusätzlich erhält die Suchtberatung Castrop-Rauxel einen Zuschuss, der eine weggefallene Landesförderung ersetzt. Konkret fördert der Kreis Recklinghausen die Suchtberatungsstelle Castrop-Rauxel mit jährlich ca. 155.000 Euro.“
Würde sich die Finanzierung auf rund 200.000 Euro im Jahr belaufen, könnte die Suchtberatung fortgeführt werden, meint Jörg Kasbrink. Eine weitere Möglichkeit sei, am Stellenschlüssel zu drehen. „Bisher sind wir dazu angehalten, 2,0 Stellen in Castrop-Rauxel vorzuhalten. Diese sind auf drei Köpfe verteilt“, so Kasbrink.
Im Laufe der Zeit sei in Castrop-Rauxel ein gutes System aufgebaut werden, sagt unser Leser. Im Evangelischen Krankenhaus (EvK) gebe es die Stationen 13 (Entzug von illegalen Drogen) und 14 (Entzug von Alkohol, Cannabis, Medikamenten und Amphetaminen). Dazu mehrere psychiatrische Stationen, die Psychiatrische Instituts-Ambulanz (P.I.A.) sowie die ausgelagerte Psychiatrische Tagesklinik an der Ringstraße. Am EvK sei zudem die Freie Selbsthilfegruppe für Sucht ansässig. Und die Diakonie sei ein weiterer, sehr wichtiger Baustein in diesem System, der nicht wegfallen dürfe.
Die Diakonie habe den Kreis Recklinghausen im November 2025 darüber informiert, dass sich die finanzielle Situation verschlechtert habe und der Beschluss gefasst worden sei, die Suchtberatungsstelle im Laufe des Jahres 2026 zu schließen, sofern sich die finanzielle Situation nicht verbessere.
„Sollte die Diakonie ihr Angebot in Castrop-Rauxel einstellen, wird kurzfristig geprüft, ob zunächst ein anderer Träger diese Aufgabe übernehmen kann“, so Lena Heimers. Eine nahtlose Übergabe wäre das Ziel. Mittel- und langfristig werde die Versorgung im Rahmen der Suchthilfeplanung geregelt.
In den Städten Datteln, Oer-Erkenschwick und Waltrop habe sich die Diakonie bereits aus der Arbeit der Suchtberatung zurückgezogen. Hier sei die Aufgabe vom Caritas-Verband übernommen worden.
Der Kreistag habe in seiner Sitzung im Februar beschlossen, einen Suchthilfeplan zur Weiterentwicklung der Drogen- und Suchtberatung zu erarbeiten. Dieser Suchthilfeplan werde durch das Gesundheitsamt des Kreises erstellt mit dem Ziel, die Versorgung im gesamten Kreisgebiet zu sichern. Die Erarbeitung erfolge in enger Kooperation mit der Koordinationsstelle Sucht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Dabei würden alle Träger der Beratungsstellen mit ihren Geschäftsführungen und Einrichtungsleitungen einbezogen. „Auch unabhängig von der Entwicklung des Suchthilfeplans besteht ein ständiger Austausch mit den Trägern der Sucht- und Drogenberatungsstellen“, sagt Lena Heimers.
- Quelle(n):
Autor
Nina Möhlmeier
Freie Mitarbeiterin
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