- Bild: CASNews Media / Nils Bettinger
Rätselhafte Aufkleber in Ickern beschäftigen Polizei und Anwohner
Schriftzug „Ickern Nord – Ehrenmord“ wirft Fragen auf – Ermittlungen wegen Sachbeschädigung
- 24.01.2026 um 17:21
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnierenEin Beitrag in einer lokalen Facebook-Gruppe hat kürzlich zahlreiche Fragen aufgeworfen: Mehrere Nutzer berichteten von auffälligen Aufklebern im Castrop-Rauxeler Stadtteil Ickern. Zu sehen ist darauf der Schriftzug „Ickern Nord – Ehrenmord“, ergänzt um ein stilisiertes Porträt.
Im Anschluss meldete sich eine Leserin bei der Redaktion von CASNews und nannte konkrete Fundorte. Demnach waren die Aufkleber unter anderem an mehreren Laternen auf dem Anfangsstück der Kirchstraße bis zur Ecke Friedrichstraße angebracht. Die Redaktion dokumentierte die Aufkleber daraufhin selbst vor Ort.
Bei der Dokumentation traf die Redaktion an der Kirchstraße auch auf einen Anwohner, der gerade dabei war, einen der Aufkleber zu entfernen. Er äußerte die Sorge, es könne sich bei dem Schriftzug möglicherweise um eine gezielte Warnung oder Botschaft an einen Anwohner handeln. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass von den Aufklebern eine konkrete Bedrohung ausgeht.
Zur Einordnung wandte sich CASNews an die Polizei. Polizeipressesprecherin Pia Weßing teilte mit, dass der Schriftzug sowie die Aufkleber der Polizei bislang nicht bekannt gewesen seien. Inzwischen wurde ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt eingeleitet. Weitere gesicherte Erkenntnisse zur Herkunft oder Motivation der Aufkleber liegen nach Angaben der Polizei derzeit nicht vor.
Unabhängig davon ist das Phänomen im Stadtteil offenbar nicht neu. Marc Frese, Vorsitzender des Bürgervereins „Mein Ickern e. V.“ und als langjähriger Beobachter des Stadtteils bekannt, erklärte gegenüber CASNews, dass ihm die Aufkleber bereits seit längerer Zeit aufgefallen seien. „Die gibt es schon ziemlich lange, ich schätze mindestens seit einem halben Jahr. Was damit gemeint sein könnte, weiß ich allerdings auch nicht“, so Frese.
Unabhängig von den laufenden Ermittlungen hat sich die Redaktion von CASNews im Rahmen eigener Recherchen mit möglichen Deutungsansätzen beschäftigt. Auffällig ist dabei insbesondere das aufgedruckte Porträt, das nach Einschätzung der Redaktion Ähnlichkeiten mit öffentlich bekannten Gerichtsaufnahmen von Sergej W. aufweist.
Sergej W. wurde 2018 wegen des Sprengstoffanschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am 11. April 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei dem Attentat detonierten mehrere Sprengsätze am Bus des BVB auf dem Weg zu einem Champions-League-Spiel. Ein Spieler wurde dabei schwer verletzt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Täter aus Habgier handelte und durch den Anschlag Kursgewinne mit zuvor erworbenen Aktien erzielen wollte.
Provokante Begriffe, starke Bildmotive und bewusste Mehrdeutigkeiten sind aus dem Umfeld von Fußball-Fanszenen bekannt und werden dort häufig eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen oder ideologische Botschaften zu transportieren. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Bezug zum Fußballumfeld aus redaktioneller Sicht als ein möglicher, bislang jedoch nicht belegter Erklärungsansatz.
Hierbei handelt es sich ausdrücklich um eine redaktionelle Einordnung. Die Polizei betont, dass es bislang keine belastbaren Hinweise auf einen Zusammenhang mit einer bestimmten Szene, einem Verein oder einer konkreten Tat gibt. Auch in Ickern-Nord ist nach polizeilichen Angaben derzeit keine entsprechende Gruppierung bekannt.
Bildergalerie (3 Bilder)
- Quelle(n): CASNews & Polizei Recklinghausen
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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