- Bild: Generiertes Symbolbild
Orangefarbene Bänke gegen häusliche Gewalt
Symbol für Sichtbarkeit und Prävention – Betriebsausschuss stimmt Grünen-Antrag zu
- 05.02.2026 um 11:11
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnierenDer Betriebsausschuss 2 hat in seiner Sitzung am Dienstagabend der Aufstellung sogenannter orangefarbener Bänke als sichtbares Zeichen gegen häusliche Gewalt zugestimmt. Der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen sieht vor, an öffentlich gut frequentierten Orten im Stadtgebiet eine oder mehrere entsprechend gestaltete Sitzbänke aufzustellen und diese mit Informationen zu regionalen Hilfs- und Beratungsangeboten zu versehen.
Hintergrund des Antrags sind die weiterhin hohen Fallzahlen häuslicher Gewalt. Für das Jahr 2024 wurden nach Angaben der Antragsteller in Castrop-Rauxel 246 Fälle registriert. Fachstellen gehen zudem von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Ziel der Maßnahme ist es, das oftmals tabuisierte Thema stärker sichtbar zu machen und niedrigschwellige Zugänge zu Hilfsangeboten zu schaffen.
Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Selim Korkutan betonte in der Sitzung, dass es bei den Bänken nicht um eine Lösung des Problems an sich gehe, sondern um Sensibilisierung, Sichtbarkeit und Information. Vorgesehen seien unter anderem Hinweistafeln oder QR-Codes mit Kontaktdaten von Beratungsstellen und Notrufnummern.
Kritik an dem Antrag kam von der AfD. Fraktionsvertreter Christian Schwickerath bezeichnete die Maßnahme als Symbolpolitik ohne konkrete Schutzwirkung. Orangefarbene Bänke könnten weder Täter abschrecken noch Gewalt verhindern oder Betroffene unmittelbar schützen. Aus Sicht der AfD sollten finanzielle Mittel stattdessen gezielt in Frauenhäuser, Beratungsangebote und persönliche Hilfen investiert werden.
Diese Einschätzung wiesen Vertreter anderer Fraktionen zurück. Für die SPD machte Ratsmitglied Sebastian John deutlich, dass auch symbolische Maßnahmen ihren Platz hätten, um gesellschaftliche Probleme sichtbar zu machen und Gespräche anzustoßen. Die Bänke ersetzten keine bestehenden Hilfsangebote, sondern ergänzten diese. Ähnlich argumentierte CDU-Ratsmitglied Jonas Ehm, der die öffentliche Wahrnehmung und den Diskurs als wichtigen Bestandteil der Präventionsarbeit bezeichnete.
Besondere Unterstützung erhielt der Antrag durch die Ausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson, die zugleich Leiterin des Frauenhauses in Castrop-Rauxel ist. Sie verwies auf die anhaltend hohe Auslastung der Einrichtung, die seit Jahren bei über 120 Prozent liege, sowie auf die geringe öffentliche Sichtbarkeit des Themas. Jede Form der Aufmerksamkeit könne dazu beitragen, Betroffenen den Zugang zu Hilfe zu erleichtern.
Im Verlauf der Diskussion regte die AfD an, eine mögliche Finanzierung über Sponsoren zu prüfen. Diesen Finanzierungsvorschlag konterte SPD-Ratsmitglied Sebastian John direkt: Der Hinweis auf mögliche Sponsoren sei bereits Bestandteil des vorliegenden Antrags. Eine Erweiterung sei daher nicht erforderlich. Der Antrag sehe ausdrücklich vor, potenzielle Kooperationspartner einzubeziehen.
Bei der abschließenden Abstimmung im Betriebsausschuss 2 wurde dem Antrag mit breiter Mehrheit zugestimmt. Drei Gegenstimmen kamen aus der AfD-Fraktion. Der Ausschuss empfiehlt damit dem Rat der Stadt Castrop-Rauxel, der Vorlage zu folgen. Die endgültige Entscheidung trifft der Rat in seiner Sitzung am 19. Februar 2026.
Die Entscheidung des Ausschusses zeigt: Während über die Wirksamkeit symbolischer Maßnahmen gestritten wird, besteht fraktionsübergreifend Einigkeit darüber, dass häusliche Gewalt ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellt – und dass bestehende Hilfsangebote weiter gestärkt werden müssen.
[Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied des Rates der Stadt Castrop-Rauxel für die FDP. An der zugrunde liegenden Sitzung hat er ausschließlich als Pressevertreter teilgenommen. Er ist kein Mitglied des Betriebsausschusses 2 und war weder an der Beratung noch an der Diskussion beteiligt.]
- Quelle(n): CASNews
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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