04. Februar 2026
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Kostenloses Schulessen: Verwaltung beziffert Kosten

Nach einem Antrag der Grünen legt die Stadt Castrop-Rauxel erstmals konkrete Zahlen zur kostenlosen Schulverpflegung vor

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Im Betriebsausschuss 2 hat die Stadtverwaltung Castrop-Rauxel unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen der Verwaltung“ Bezug auf einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen genommen, der in der letzten Sitzungsrunde nicht zur Abstimmung gekommen war. Gleichwohl hatte die Verwaltung angekündigt, das Thema finanziell einzuordnen – und legte nun erstmals umfangreiche Kostenhochrechnungen zur kostenlosen Schulverpflegung vor.


Sozialdezernentin Regina Kleff stellte anhand mehrerer Grafiken dar, welche finanziellen Auswirkungen eine kostenfreie Verpflegung für alle Schüler in Castrop-Rauxel hätte. Grundlage seien die aktuell bestehenden Verpflegungskosten, ergänzt um notwendige Personalaufwendungen für Ausgabe, Organisation und Zubereitung. Betriebs- und Investitionskosten seien dabei noch nicht berücksichtigt.


Allein für das Schuljahr 2025/26 belaufen sich die hochgerechneten Gesamtkosten demnach auf rund 10,2 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 3,4 Millionen Euro auf Grund- und Förderschulen sowie rund 6,8 Millionen Euro auf weiterführende Schulen. Für das Folgejahr 2026/27 würde sich der Betrag aufgrund steigender Schülerzahlen auf mehr als 10,7 Millionen Euro erhöhen.


Die detaillierte Aufschlüsselung nach Alterskohorten verdeutlicht die Dimension zusätzlich: Bereits die Klassen 1 bis 4 verursachen Kosten von knapp 3,5 Millionen Euro jährlich. Selbst Teilmodelle – etwa ein kostenloses Frühstück für Grundschüler – würden mit rund 773.000 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Auch diese Beträge seien, so Kleff, in der aktuellen Haushaltslage kaum genehmigungsfähig.


Hintergrund ist die angespannte finanzielle Situation der Stadt. Castrop-Rauxel befindet sich weiterhin in der Haushaltssicherung und darf freiwillige Leistungen grundsätzlich nur mit Zustimmung der Kommunalaufsicht einführen. Bei einer flächendeckenden, personenbezogenen Leistung wie der kostenlosen Schulverpflegung seien die Hürden besonders hoch.


Gleichzeitig machte Kleff deutlich, dass es inhaltlich kaum Dissens gebe: „Wenn wir es könnten, würden wir es gerne machen.“ Auch im Ausschuss herrschte Einigkeit darüber, dass eine gesicherte Verpflegung von Kindern wünschenswert sei. Die Frage sei jedoch nicht die Zielsetzung, sondern die Finanzierbarkeit.


Für Bündnis 90/Die Grünen betonte Ausschussmitglied Selim Korkutan, dass das Thema parteiübergreifend in mehreren Wahlprogrammen eine Rolle gespielt habe. Gerade deshalb sei es aus seiner Sicht sinnvoll, gemeinsam zumindest den Versuch zu unternehmen und eine Prüfung durch die Kommunalaufsicht einzuholen. Man solle politische Vorhaben nicht vorschnell aufgeben.


Die Verwaltung ordnete diese Sichtweise nüchtern ein: Ohne genehmigungsfähige Gegenfinanzierung sei bereits der Einstieg in eine formelle Prüfung äußerst schwierig. Die vorgelegten Zahlen dienten daher in erster Linie einer realistischen Einordnung – nicht als Vorentscheidung.


Fest steht: Der ursprüngliche Antrag der Grünen wurde nicht beschlossen, ein Prüfauftrag besteht nicht. Die präsentierten Kosten werden dem Protokoll beigefügt. Politische Fraktionen können jedoch jederzeit auf dieser Grundlage neue Anträge einbringen – dann allerdings mit belastbaren Finanzierungsvorschlägen.


Unabhängig davon verwies die Verwaltung auf bestehende und geplante Unterstützungsangebote. So bemühe sich die Stadt aktuell um eine Teilnahme am Brotzeit-Programm, bei dem Spenden und ehrenamtliches Engagement genutzt werden, um Frühstücksangebote an einzelnen Schulen zu ermöglichen.


Die Diskussion im Betriebsausschuss machte deutlich: Der politische Wille zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit ist vorhanden. Die nun vorliegenden Zahlen zeigen jedoch ebenso klar, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und finanzieller Realität derzeit ist.


[Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied des Rates der Stadt Castrop-Rauxel für die FDP. An der zugrunde liegenden Sitzung hat er ausschließlich als Pressevertreter teilgenommen. Er ist kein Mitglied des Betriebsausschusses 2 und war weder an der Beratung noch an der Diskussion beteiligt.]


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  • Quelle(n): CASNews

Autor

Nils Bettinger

Nils Bettinger

Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.