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Castroper schreibt über seinen Weg zur ersten Million
Vom Qualitätsmanager zum Investor – wie Andres Martinez mit Immobilien, Mindset und Beharrlichkeit die finanzielle Freiheit erreichte
- 27.08.2025 um 22:28
- Castrop-Rauxel
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Jetzt Newsletter abonnierenAndres Martinez hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich: vom Angestellten in der Halbleiterindustrie mit langem Arbeitsweg zum Unternehmer und Investor. Mit seinem soeben erschienenen Buch „Mein Weg zur 1. Million“ gibt er Einblicke in seine Strategie – und zeigt, dass finanzielle Unabhängigkeit kein abstrakter Traum bleiben muss. Über acht Jahre baute Martinez durch Immobilien, regelmäßige Investments und konsequentes Handeln ein Vermögen auf. Heute teilt er seine Erfahrungen auf Instagram, YouTube, in Podcasts und Workshops. Im ausführlichen Gespräch mit CASNews erklärt er, welche Fehler er gemacht hat, warum Beharrlichkeit entscheidend ist und weshalb es wichtiger ist, unperfekt zu starten, als gar nicht anzufangen.
CASNews: Du warst ursprünglich im klassischen Angestelltenverhältnis. Was genau war der Auslöser für deine Erkenntnis, dass wahre Freiheit nicht durch harte Arbeit allein entsteht?
Andres Martinez: Ich war schon immer ein freiheitsliebender Mensch, für den Geld nie an erster Stelle stand. Irgendwann wurde mir bewusst, dass die meisten Menschen Zeit gegen Geld tauschen. Viele behaupten zwar, Geld sei nicht alles, verbringen aber den Großteil ihrer wertvollsten Ressource – ihrer Zeit – damit, genau dieses angeblich so unwichtige Geld zu verdienen. Mir wurde klar: Wohlhabende Menschen lassen sich nicht für ihre Zeit bezahlen, sondern für Ergebnisse. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Arbeit und Freiheit grundlegend verändert.
CASNews: Du schreibst von einer belastenden beruflichen Situation, in der du eine klare Grenze gezogen hast. Magst du diese Geschichte teilen?
Andres Martinez: Ich war fast 13 Jahre lang als Qualitätsmanager in der Halbleiterindustrie tätig. Während der Pandemie durfte ich erleben, was Homeoffice bedeutet – vier Tage von zu Hause, ein Tag im Büro. Die Ergebnisse stimmten, meine Leistung war nachweislich unverändert gut. Trotzdem sollte ich plötzlich nach 4 Jahren wieder deutlich häufiger ins Büro, weil mein Abteilungsleiter persönlich ein Problem damit hatte. Mein Arbeitsweg von 95 Kilometern pro Strecke bedeutete täglich zwei Stunden vergeudete Lebenszeit. Ich habe meiner Frau versprochen, diese Zeit nicht länger zu verschwenden. Die Situation eskalierte schließlich bis vor Gericht, weil ich gegen eine aus meiner Sicht ungerechtfertigte Abmahnung vorging. Unangenehm, ja – aber rückblickend war genau dieser Konflikt ein wichtiger Baustein für meine heutige Freiheit.
CASNews: Wann genau kam der Wendepunkt, an dem du beschlossen hast, deine finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen?
Andres Martinez: Der Wendepunkt kam, als ich mit meinem ersten Online-Shop für Motocross-Zubehör eine bittere Erfahrung machte. Meine Steuerberaterin hatte drei Jahre lang die Umsatzsteuer falsch verbucht – am Ende stand eine Nachzahlung von über 50.000 Euro. Ich hätte sie verklagen oder mich jahrelang streiten können. Stattdessen habe ich die volle Verantwortung übernommen. Mir wurde klar: Steuerberatung ist ein Dienstvertrag; geschuldet ist die Arbeit, nicht der Erfolg. Das war hart, aber wertvoll. Ich sagte mir: Dort, wo ich hinwill, sind 50.000 Euro kein Problem. Ab diesem Moment hatte ich eine neue Mission.
CASNews: Immobilien-Investitionen spielen auf deinem Weg eine zentrale Rolle. Wie bist du zu deiner ersten Immobilie gekommen – und das ohne viel Eigenkapital?
Andres Martinez: Ich habe erkannt, dass Mieteinnahmen nicht an meine persönliche Zeit gekoppelt sind – perfekt für mein Ziel. Also bin ich tief eingestiegen: Podcasts, YouTube, Fachwissen, viel Ausprobieren. Zehn Anläufe hat es gebraucht, bis ich mein erstes Objekt ohne Eigenkapital kaufen konnte. Gefunden habe ich es über eine lokale Facebook-Gruppe: ein Dreifamilienhaus, eine Wohnung leer. Ich finanzierte Kaufpreis, Nebenkosten und Renovierung. Viele Banken sagten Nein – aber ich wusste, dass es grundsätzlich möglich ist. Am Ende führte Beharrlichkeit zum Notartermin.
CASNews: Welche anderen Investmentstrategien neben Immobilien haben zu deinem Erfolg beigetragen?
Andres Martinez: Mein erster Kontakt waren 2007 ein fondsgebundener Riester-Vertrag und später eigene Aktien- und ETF-Investments. Heute würde ich manches anders wählen, aber rückblickend war es richtig, früh und regelmäßig zu investieren. Ich habe also immer nach einer Lohnsteigerung den Großteil davon investiert. Denn finanziell kam ich vorher ja auch klar. Viele tappen hier in die Falle der Wohlstandsinflation, indem sie ihren Lebensstil an die gestiegenen Einnahmen anpassen. So sind heute aus meiner durchschnittlichen Sparrate von 200€ mittlerweile 91.000€ geworden und ich habe das Geld nie vermisst, denn vor der Gehaltssteigerung hatte ich es ja auch nicht.
CASNews: Was waren die drei größten Fehler auf deinem Weg – und wie können andere sie vermeiden?
Andres Martinez: Erstens: zu spät angefangen. Ich war über 30, als ich mir das Ziel „Million" überhaupt zugetraut habe. Zweitens: zu lange im eigenen Kopf geblieben, statt mit Menschen zu sprechen, die schon dort sind, wo ich hinwollte. Drittens: Perfektionismus. Viele starten nie, weil sie alles „richtig" machen wollen. Fehler sind kein Problem – sie sind ein notwendiger Teil des Weges. Darum lieber unperfekt starten, als perfekt zu zögern.
CASNews: Wie lange hat es von deiner ersten bewussten Investition bis zur finanziellen Unabhängigkeit gedauert?
Andres Martinez: Es waren acht Jahre – mit Rückschlägen, aus denen ich viel gelernt habe. Der wichtigste Tipp auf diesem Weg: Hör auf Menschen, die bereits dort sind, wo du hinmöchtest. Unser Umfeld will uns oft schützen, auch vor Veränderungen. Gut gemeint, aber häufig bremsend. Mich mit Vorbildern zu umgeben, hat alles beschleunigt.
CASNews: Du sagst "Keine trockene Theorie, sondern echte Erfahrungen". Welche persönlichen Geschichten teilst du im Buch, die besonders inspirierend sind?
Andres Martinez: Neben der Geschichte mit der Steuerberaterin erzähle ich von meinen Anfängen – etwa wie ich mit 14 mein erstes eigenes Geld verdient habe. Ich verknüpfe das Wissen immer mit Beispielen aus meinem Vermieteralltag. Oft wähle ich unkonventionelle Wege: Während andere sofort einen Anwalt einschalten, suche ich das direkte Gespräch. Briefe lösen selten Probleme – besonders nicht, wenn jemand psychisch belastet ist und die Post ungelesen bleibt. Mir geht es um Lösungen, die beiden Seiten helfen, ohne unnötige Kosten und lange Leerstände.
CASNews: Dein Buch zeigt, warum finanzielle Abhängigkeit kein Zufall ist. Was ist das Kernproblem, das die meisten nicht sehen?
Andres Martinez: Viele unterscheiden nicht zwischen Ausgaben und Investitionen. Ein Auto oder das Eigenheim sind meist Ausgaben: keine Einnahmen, laufende Kosten, oft Wertverlust. Eine vermietete Immobilie dagegen ist eine Investition: Mieteinnahmen, steuerliche Absetzbarkeit, langfristige Wertsteigerung. Während viele ihre Bonität mit Konsumkrediten verschlechtern, verbessert jeder sinnvolle Immobilienkauf meine. Auch eine vermietete Immobilie muss mal renoviert werden. Aber auch hier kann ich die Ausgaben im Gegensatz zum Eigenheim steuerlich geltend machen.
CASNews: "Wissen, das Schulen nicht lehren" – was sind die drei wichtigsten Dinge über Geld, die jeder wissen sollte?
Andres Martinez: Erstens: Geld ist nicht schlecht und verdirbt auch nicht den Charakter. Geld ist neutral und verstärkt Charakter – nutze es als Energie für Gutes. Zweitens: Dein Mindset steuert dein Handeln. Wer Geld ablehnt, stößt es unbewusst ab. Richte deinen Fokus auf Chancen statt auf Probleme. Drittens: Zinseszins und Konsequenz schlagen Perfektion. Früh starten, dranbleiben, lernen – das bringt langfristig die größten Effekte.
CASNews: Für jemanden, der gerade erst anfängt – was sind die ersten drei konkreten Schritte nach dem Lesen deines Buches?
Andres Martinez: Nicht nur lesen, sondern sofort umsetzen – idealerweise schon während der Lektüre. Die 72-Stunden-Regel nutzen: Neue Einsicht innerhalb von drei Tagen in eine Handlung übersetzen, sonst verpufft sie. Unperfekt starten statt perfekt zögern: den ersten kleinen Schritt gehen, Erfahrungen sammeln und dann iterieren.
CASNews: Du sprichst vom "Mindset für Erfolg". Was denkst du anders als die breite Masse – und was war dein wichtigster Mindset-Shift?
Andres Martinez: Probleme lassen sich nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Ich habe gelernt, Glaubenssätze zu überprüfen und, wenn nötig, ins Gegenteil zu verkehren – und dann bewusst anders zu handeln. Henry Ford hat es auf den Punkt gebracht: Ob du glaubst, du schaffst es, oder nicht – du wirst in beiden Fällen recht behalten. Ein starkes „Warum" hilft dabei enorm. Bei mir sind es meine Kinder. Ich will sie aufwachsen sehen und das geht nur jetzt und nicht mehr später. Das lässt mich morgens um 5 aufstehen und das, obwohl ich überhaupt kein Morgenmensch bin.
CASNews: Viele träumen von finanzieller Freiheit, wenige setzen es um. Was unterscheidet Macher von Träumern?
Andres Martinez: Macher handeln konsequent, auch wenn nicht alles perfekt ist. Sie akzeptieren Fehler als Lernschritte, halten die Schlagzahl hoch und umgeben sich mit Menschen, die weiter sind. Träumer verharren in Theorie, warten auf den perfekten Zeitpunkt und diskutieren ihre Grenzen, statt sie zu verschieben.
CASNews: Immobilien als Hebel für Vermögensaufbau – welche Strategie empfiehlst du Einsteigerinnen und Einsteigern: Eigennutzung, Vermietung oder Weiterverkauf?
Andres Martinez: Es kommt auf die Lebenssituation an. Eigennutzung kann in bestimmten Phasen ein Hebel sein – etwa während Studium/Ausbildung. Vermietung ist aus meiner Sicht das planbarste und sicherste Setting: laufende Einnahmen, klare Kalkulation. Der Weiterverkauf (Fix & Flip) funktioniert wie Handel: marode, leerstehende Objekte kaufen, renovieren, an eine breite Käuferschaft verkaufen. Das kann schneller hohe Gewinne bringen, ist aber steuerpflichtig und erfordert Erfahrung.
CASNews: Wie findet man gute Immobilien-Deals – und wie finanziert man sie clever?
Andres Martinez: Gute Deals stehen selten sonntagabends auf der großen Plattform. Man muss den Markt beobachten, viel sprechen, präsent sein – und mit Absagen rechnen. Irgendwann zahlt sich der Fleiß aus. In der Finanzierung unterscheide ich strikt: Eigennutzung will man meist schneller tilgen, es gibt keine steuerlichen Vorteile. Bei Vermietung sind Zinsen und Instandhaltungskosten absetzbar; entscheidend ist für viele ein monatlicher Überschuss statt maximaler Tilgung. Daher tilge ich lieber wenig, um finanziell flexibler zu sein, als mich zu einer hohen Rate zu verpflichten.
CASNews: Heute bist du Unternehmer, Investor und Mentor. Was machst du aktuell – YouTube, Podcasts, Workshops – und wie hilfst du anderen konkret?
Andres Martinez: Ich habe früh gemerkt, wie wichtig ein starkes Umfeld ist. Deshalb besuche ich nicht nur Events und Stammtische, sondern habe eigene Treffen organisiert – ohne Gewinnerzielungsabsicht, kostendeckend und mit Mehrwert. Das schafft Vertrauen und ein Netzwerk: So bekomme ich Informationen und gelegentlich Objekte angeboten. Über YouTube und Podcast teile ich Wissen kostenlos; in Workshops gehe ich tiefer und helfe bei individuellen Strategien.
CASNews: Was sind die häufigsten Ausreden, die du hörst, wenn Menschen nicht starten?
Andres Martinez: Die Klassiker: „Ich habe keine Zeit", „Ich habe kein Geld" oder „Der Markt ist schwierig". Dahinter steckt meist Angst – vor Fehlern, Verlusten oder davor, sich im Umfeld zu blamieren. Ein Freund von mir hat mit über einer Million Euro Schulden begonnen und ist heute erfolgreich im Immobilienbereich. Er hat Verantwortung übernommen, statt Ausreden zu pflegen. Genau das ist der Unterschied.
CASNews: Was sind deine nächsten Ziele – weitere Bücher, größere Projekte?
Andres Martinez: Mir macht es Spaß, alte, hässliche Wohnungen in neuen Glanz zu bringen. Da es mir in erster Linie um Freiheit geht, nicht um möglichst viele Objekte, setze ich mir bewusst keine „größer, schneller, mehr"-Ziele. Ich kaufe, was in mein Schema passt – derzeit bekomme ich mehr Angebote, als ich verarbeiten kann. Eine Fortsetzung des Buches schließe ich nicht aus; der Schreibprozess war toll, aber zeitintensiv. Daher alles zu seiner Zeit.
CASNews: Wenn du nur einen einzigen Rat für den Weg zur ersten Million geben könntest – welcher wäre das?
Andres Martinez: Lieber unperfekt starten als perfekt zögern. Ins Handeln kommen, die 72-Stunden-Regel leben, aus jedem Schritt lernen – und weitermachen.
CASNews: Dein Buch heißt "Mehr Zeit, mehr Freiheit, mehr Leben". Wie sieht dein Leben heute aus – was machst du mit der gewonnenen Freiheit?
Andres Martinez: Freiheit heißt für mich, die eigene Zeit zu gestalten. Ich stehe meist um 5 Uhr auf, mache meine Morgenroutine, bringe die Kinder in die Kita und dann zum Sport – ein echter Game Changer. Danach kümmere ich mich um Immobilienthemen: viel Organisation, Telefonate und Papierkram. Gegen 15 Uhr hole ich oder meine Frau die Kinder ab; in der Regel arbeite ich abends noch etwas. Als Familie hilft uns eine Reinigungskraft – das ist eine Frage der Prioritäten, nicht des Kontostands. Und ja: Ich nutze die gewonnene Zeit oft für mehr Arbeit – aber eben für meine Projekte. Ich trage 100 Prozent Verantwortung für Erfolge wie für Fehler. Dieses Gefühl ist unbezahlbar.
- Quelle(n): CASNews
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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