- Bild: Fritsch
Bewegende Begegnung am NS-Denkmal in Waltrop
Besuchergruppe erinnert an Schicksale von Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern
- 05.04.2026 um 16:29
- Castrop-Rauxel
Newsletter abonnieren - lokal & zuverlässig
Unser kostenloser Newsletter hält Sie täglich über die wichtigsten Nachrichten aus Castrop-Rauxel auf dem Laufenden - direkt ins E-Mail-Postfach.
Jetzt Newsletter abonnierenMit einer eindrucksvollen und nachdenklich stimmenden Veranstaltung sind die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Waltrop zu Ende gegangen. Rund 20 Teilnehmer aus Castrop-Rauxel folgten der Einladung des Bündnisses für Demokratie sowie des Kinder- und Jugendparlaments zu einem Besuch des NS-Denkmals in der Bauerschaft Holthausen.
Vor Ort berichtete der 87-jährige Künstler und Schriftsteller Paul Reding, gebürtig aus Castrop-Rauxel, über die Geschichte der Gedenkstätte. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für die lokale Erinnerungskultur und hatte das Denkmal im Jahr 2001 gemeinsam mit Jugendlichen errichtet.
Das unscheinbare Denkmal erinnert an das ehemalige NS-Entbindungs- und Abtreibungslager für osteuropäische Zwangsarbeiterinnen, das von 1943 bis 1945 bestand. Dort mussten junge Frauen unter menschenunwürdigen Bedingungen Kinder zur Welt bringen oder wurden zu Abtreibungen gezwungen.
Die historischen Berichte zeichnen ein erschütterndes Bild: Viele der Frauen waren zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden, häufig aus der damaligen Sowjetunion oder aus Polen. Wurden sie schwanger, oft infolge von Gewalt, kamen sie in das Lager. Die dort geborenen Kinder wurden ihnen in der Regel unmittelbar nach der Geburt genommen.
Nach Recherchen der Historikerin Gisela Schwarze wurden in dem Lager 1273 Kinder geboren. Ihr weiteres Schicksal hing von den rassistischen Kriterien des NS-Regimes ab – ein Umstand, der die Brutalität der damaligen Ideologie deutlich macht.
Im Anschluss vertieften die Teilnehmer ihre Eindrücke im Heimatmuseum. Dort wurde der Dokumentarfilm „Unerwünscht und vergessen“ gezeigt, in dem Zeitzeugen von ihren Erfahrungen berichten. Unter anderem schildert eine betroffene Frau aus der Ukraine, wie ihr ihr Kind nach der Geburt weggenommen wurde.
Organisator Dr. Jürgen Domjahn betonte die Bedeutung solcher Veranstaltungen für die heutige Gesellschaft. Viele Menschen hätten damals von den Vorgängen gewusst, weshalb es umso wichtiger sei, heute über diese Geschichte aufzuklären und sie im Bewusstsein zu halten.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig Erinnerungskultur und Aufklärung auch heute noch sind – insbesondere, um die Folgen von Rassismus und Ausgrenzung sichtbar zu machen.
[Bild: Paul Reding (2. v. l.), Organisator Jürgen Domjahn (r. daneben) und einige der Teilnehmer am Waltroper Denkmal.]
- Quelle(n): Bündnis für Demokratie
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
Aktuelle Artikel
Grünabfallsammlung wird verlängert
- 04.04.2026
Berufsberatung ohne Termin im BiZ
- 04.04.2026
VfB Habinghorst baut neue F-Jugend auf
- 04.04.2026
Wetter
- Castrop-Rauxel
78%
0.89 km/h