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Sorgen dafür, dass bald wieder Kinofeeling in unserer Stadt aufkommt: Martin Trottenberg (v.l.), Stephan Aschenbach, Stefan Kruppa und Adrian Tavaszi. Auf dem Foto fehlt Annik Ishorst vom Verkaufskomitee des ASG-Abijahrgangs. | Bild: Heyer

Zurück in die Zukunft

CASNews-Serie "Heimat",Teil VI: Stefan Kruppa und das Bürgerkino

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„Ich gehe unglaublich gern ins Kino. Dort kann man für anderthalb bis zwei Stunden in eine gute Geschichte eintauchen“, sagt Stefan Kruppa. Während seiner Kindheit und Jugend war die Kurbel an der Oberen Münsterstraße sein Stammkino, er sah dort Klassiker wie Forrest Gump. „Das Kino war voll. Der Film hat mir super gut gefallen, und ich sehe ihn heute noch gern.“ 2014 schloss mit der Kurbel das letzte verbliebene Kino in unserer Stadt seine Tür. Dass es bald wieder „Film ab!“ in Castrop heißt, ist Stefan Kruppa zu verdanken. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern bringt der 52-jährige Castrop-Rauxeler das Kino zurück in seine Heimatstadt. Mit Stefan Kruppa geht unsere Heimat-Serie in die sechste Runde.


In der ASG-Aula nahm alles seinen Anfang: Dort wollte sich Stefan Kruppa Ende des vergangenen Jahres die Tanzaufführung seiner Tochter (10) ansehen. In der Aula wartete er auf den Auftritt, und plötzlich sah er alles wieder vor sich: Das ASG in den 90er Jahren, die Projektoren, die Filmrollen, die Leinwand. „Ich habe dort gestanden und gedacht: Es war doch gut damals. Was wäre, wenn wir hier wieder Filme zeigen würden?


Der Gedanke kam nicht von ungefähr: Während Kruppas Schulzeit am Adalbert-Stifter-Gymnasium wurde eine Kino-AG gegründet. „1990 bin ich in die Oberstufe gekommen, und während der Elfer-Einführungstage kam dem Oberstufenkoordinator die Idee, eine Kino-AG ins Leben zu rufen.“ Stefan Kruppa war sofort Feuer und Flamme. Als klar war, dass die Idee umsetzbar war, machte Stefan Kruppa gemeinsam mit Torsten Paar (heute Wieacker) den Filmvorführungsschein im Kreishaus in Recklinghausen. „Dadurch waren wir qualifiziert, mit Projektoren umzugehen. Damals hatten wir 16-Millimeter-Projektoren. Zwei standen in der Mitte der Aula auf dem Tisch. Der jeweilige Film kam auf zwei oder drei Rollen“, erinnert sich Kruppa. Seiner Erinnerung, welchen Film die Kino-AG seinerzeit als erstes in der ASG-Aula zeigte, traut er allerdings nicht ganz. „Es könnte „Zurück in die Zukunft‘ gewesen sein.“


Einmal monatlich, freitags um 18 Uhr, hieß es „Film ab!“ in der Aula. In allen Klassen wurde fleißig die Werbetrommel gerührt, Plakate wurden erstellt, und auch am letzten Schultag eines Halbjahres gab es jeweils zwei Filmvorstellungen. „Die Resonanz war richtig gut“, so Kruppa. Die Filme wurden beim Medienverleih des Landes geliehen, und sie kamen dann im Paket per Bahn zum Rauxeler Hauptbahnhof. „Man hat sie am Schalter abgeholt“, erinnert sich Stefan Kruppa. „Einmal gab es einen Bahnstreik, und ich bin mit dem Auto nach Gladbach gefahren, um den Film abzuholen.“


Während Kruppas Oberstufenzeit habe die Kino-AG gut funktioniert, dann kam das Abi, und mit dem Ende seiner Schulzeit verlor Stefan Kruppa die AG aus den Augen. Das ist nunmehr 33 Jahre her. Filmrollen und Projektoren haben mittlerweile ausgedient. „Wir werden jetzt digital arbeiten, mit Laptop und Beamer. Das hat den gleichen Effekt. Wir haben im März eine Technikprobe in der Aula gemacht, der Beamter lief, der Ton auch, und die Vorhänge wurden zugezogen. Da wussten wir: Ja, es geht! Es kommt Kinofeeling auf!


Wir – das sind, neben Stefan Kruppa, der lokale Filmemacher Stephan Aschenbach, der gerade an einem Film über die Geschichte des Kinos in Castrop-Rauxel arbeitet, Techniker/Tontechniker Martin Trottenberg, VHS-Leiter Dr. Adrian Tavaszi und Annik Ishorst vom Verkaufskomitee des ASG-Abi-Jahrgangs. Die Kino-AG wird von ehrenamtlicher Seite organisiert und gestaltet, die Volkshochschule ist Veranstalter und Kooperationspartner. „Wir sind eine Arbeitsgemeinschaft, die ein Bürgerkino veranstaltet“, fasst Kruppa zusammen.


Am 24. September, 19 Uhr, wird mit dem Film „The Blues Brothers“ Premiere gefeiert. Den Film hat man wegen des Nostalgie-Gedankens ausgewählt. Karten zum Preis von 6 Euro werden online, bei der VHS, im Bürgerhaus, in der Stadtbibliothek und an der Abendkasse erhältlich sein – so lange der Vorrat reicht, denn in der ASG-Aula ist Platz für 300 Leute. „Mit den Eintrittsgeldern sollen die Lizenzgebühren bezahlt werden“, erklärt Kruppa. Beim Thema Vorführrechte kommt die MPLC (Motion Picture Licensing Company) ins Spiel. Sie verleiht die Rechte der großen Hollywood-Produktionen. Finanziell halte es sich im Rahmen. „Für unser Bürgerkino ist das praktikabel. Haben wir über 50 Zuschauer, dann machen wir keine Verluste“, rechnet Stefan Kruppa. Falls ein Gewinn erwirtschaftet werde, soll er einem guten Zweck zugutekommen.


Für Popcorn und Getränke werden die Schüler des nächstjährigen ASG-Abi-Jahrgangs sorgen. Die Einnahmen aus dem Verkauf fließen vollständig in die Abikasse.


Bis Weihnachten wird es insgesamt drei Vorstellungen geben. Bei der Filmauswahl haben die Zuschauer ein Mitspracherecht. „Bei der zweiten Vorstellung werden wir zwei bis drei Filme zur Auswahl stellen, und bei der dritten Vorstellung können Vorschläge über unsere Homepage eingereicht werden.“


Der Bildungs- und kulturelle Auftrag des Veranstalters VHS werde dabei im Blick behalten. „Filme wie ‚Angriff der Killertomaten‘ fallen somit aus dem Raster“, so Kruppa.


Ein Bürgerkino in seiner Heimatstadt auf den Weg zu bringen, ist für Stefan Kruppa etwas Besonderes. „Castrop-Rauxel ist meine Heimat, ich gehöre hier hin und fühle mich hier wohl. Ich wurde im Rochus geboren und habe nie woanders gewohnt. Wenn ich bei ‚Castrop kocht über‘ bin, sehe ich alle fünf Meter Leute aus verschiedenen Lebensabschnitten.“


Und auch auf diese Leute wird es beim Bürgerkino ankommen. „Das Ganze ist ein Experiment. Bis Weihnachten wissen wir, ob es angenommen wird.“ Alles steht und fällt mit den Zuschauern. „Die Vorab-Resonanz ist bisher richtig gut. Aber die Frage ist, ob die Leute an einem Donnerstagabend in die ASG-Aula kommen oder auf der Couch sitzen bleiben. Ich denke da an die Tante-Emma-Läden: Man war froh, so ein Geschäft in der Nachbarschaft zu haben, aber viele haben ihre Einkäufe dann in Supermärkten und Discountern erledigt – und das bedeutete das Ende der Tante-Emma-Läden“, sagt Stefan Kruppa.


Die Castrop-Rauxeler haben es selbst in der Hand: Sie können dafür sorgen, dass das Bürgerkino eine Erfolgsgeschichte wird, die über das Jahr hinaus Bestand hat.


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  • Quelle(n):

Autor

Nina Möhlmeier

Nina Möhlmeier

Freie Mitarbeiterin

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