Innenstadtmanagement sieht weiter hohe Hürden bei Leerständen
Ausschuss hört Bericht zu Förderprogramm und Vermietungsproblemen
- 26.03.2026 um 17:39
- Castrop-Rauxel
Die Situation der Leerstände in der Castroper Altstadt bleibt angespannt. Im Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung hat Christoph Krafczyk vom Dortmunder Büro Stadtraumkonzept am Dienstag (17. März) den aktuellen Stand des Innenstadtmanagements vorgestellt. Seine zentrale Botschaft: Es gibt weiterhin viele Gespräche und Anfragen, aber zu wenige passende Ladenlokale, die tatsächlich kurzfristig vermittelt werden können.
Das Innenstadtmanagement arbeitet in Castrop-Rauxel auf Grundlage eines Landesförderprogramms, mit dem leerstehende Ladenlokale angemietet und anschließend vergünstigt an neue Nutzer weitervermietet werden können. Ziel ist es, Leerstände zu beseitigen und die Innenstadt mit neuen Angeboten zu beleben.
Nach Angaben Krafczyks gibt es im Innenstadtbereich rund 350 gewerbliche Flächen. Die Zahl der Leerstände bewege sich aktuell bei etwa 18 bis 19 Ladenlokalen und sei damit über die Jahre gesehen relativ stabil. Zugleich sei der subjektive Eindruck vieler Menschen ein anderer. Der Grund: Leerstände seien heute stärker im Kernbereich der Altstadt sichtbar und würden dort gebündelt auftreten.
Besonders im Bereich zwischen Markt, Lambertusplatz, Simon-Cohen-Platz, und Busbahnhof gebe es derzeit eine auffällige Häufung. Frühere Leerstände hätten sich eher in Randlagen befunden, heute seien sie für Passanten im Zentrum deutlich präsenter.
Ein wesentliches Problem besteht laut Innenstadtmanagement darin, dass mehrere leerstehende Ladenlokale dem Markt gar nicht aktiv zur Verfügung stehen. Teilweise fehle eine Vermarktung, teilweise gebe es bauliche Hürden. In anderen Fällen liefen Mietverträge weiter, obwohl die Flächen gar nicht mehr genutzt würden. Das erschwere die Vermittlung erheblich.
Gleichzeitig gibt es weiterhin ein spürbares Interesse an Flächen in der Innenstadt. Seit Beginn des aktuellen Förderprogramms verzeichnete das Innenstadtmanagement nach eigenen Angaben 56 Anfragen und Beratungen; hinzu kommen weitere Fälle aus dem vorherigen Programm. Daraus entstanden bislang acht geförderte Anmietungen, zwei weitere werden derzeit vorbereitet.
Im Bericht wurde deutlich, dass die Nachfrage aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommt. Genannt wurden unter anderem Gastronomie, niedrigpreisiger Einzelhandel, spezialisierter Einzelhandel, Dienstleistungen sowie soziale, beratende und ehrenamtliche Nutzungen. Tatsächlich umgesetzt wurden nach den Ausführungen unter anderem ein Hofladen (Menken), die Übernahme der Buchhandlung „Leselust“, ein Weinhandel am Markt, ein Trödelladen (Wibberg), ein Tanzstudio (Tanzwerk) sowie die CASNews-Lokalredaktion am Biesenkamp.
Gerade im Bereich Ehrenamt, Beratung und soziale Angebote gebe es laut Krafczyk mehrere Anfragen. Diese Interessenten suchten häufig keine komplette Fläche für sich allein, sondern kämen eher dann in Betracht, wenn bei einer neuen Anmietung auch eine Mitnutzung oder Untervermietung von Teilflächen mitgedacht werde. Solche Modelle seien grundsätzlich interessant, scheiterten in der Praxis aber oft an Zuschnitt, Größe oder Aufteilung der verfügbaren Ladenlokale.
Auch aus dem Bereich Gastronomie gebe es Anfragen, allerdings häufig ohne passende Flächen. Nach Darstellung des Innenstadtmanagements stehen nur wenige Ladenlokale überhaupt für gastronomische Nutzungen zur Verfügung, weil Eigentümer wegen möglicher Umbauten oder schlechter Erfahrungen zurückhaltend seien.
Im Ausschuss wurde zudem über die grundsätzliche Ausrichtung des Förderprogramms gesprochen. Auf Nachfrage aus der Politik erklärte Krafczyk, dass es zwar Ausschlusskriterien für bestimmte Nutzungen gebe, aber keine feste Positivliste mit genau definierten Wunschbranchen. Entscheidend sei vielmehr, dass es sich um ein innenstadtrelevantes Angebot handele und dass Nutzung, Eigentümer und Standort zusammenpassten.
Ein weiteres Thema war die Frage, wie tragfähig die eingereichten Geschäftskonzepte sein müssen. Krafczyk machte deutlich, dass das Programm bewusst Raum dafür lasse, neue Ideen auszuprobieren. Nicht jede geförderte Anmietung müsse dauerhaft Bestand haben. Das Land wolle ausdrücklich ermöglichen, dass auch Gründer mit vertretbarem Risiko testen können, ob ein Konzept funktioniert. Eine Rückzahlungsverpflichtung bei einem späteren Scheitern sei deshalb nicht vorgesehen.
Deutlich wurde im Bericht aber auch, dass die Lage in der Innenstadt derzeit von einer gewissen Unsicherheit und Zurückhaltung geprägt ist. Krafczyk sprach davon, dass eine richtige Aufbruchstimmung aktuell fehle. Mehrere größere Entwicklungen und Entscheidungen im Handelsbereich würden abgewartet. Das erschwere es zusätzlich, neue Dynamik in die Altstadt zu bringen.
Einordnung: Der Bericht im Ausschuss macht deutlich, dass die Castroper Altstadt nicht an mangelndem Interesse leidet. Das Hauptproblem ist vielmehr, dass zwischen Nachfrage und tatsächlich nutzbaren und passenden Flächen oft eine Lücke besteht. Für die Entwicklung der Innenstadt wird deshalb entscheidend sein, ob es gelingt, mehr Leerstände tatsächlich zu aktivieren und dabei auch flexible Modelle – etwa mit gemeinsamer Nutzung – stärker möglich zu machen.
[Bild: Christoph Krafczyk (ganz rechts im Bild) berichtet]
[Transparenzhinweis: Der Autor dieses Artikels, Nils Bettinger, ist Mitglied des Rates der Stadt Castrop-Rauxel. An der Sitzung des Ausschusses nahm er jedoch ausschließlich in seiner Funktion als Pressevertreter teil. Die journalistische Berichterstattung erfolgt unabhängig von seiner politischen Tätigkeit.]
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- Quelle(n): CASNews
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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