Frank Denk: Einziger parteiloser Direktkandidat in Castrop-Rauxel
Im Wahlkreis 12 tritt mit Frank Denk ein Einzelbewerber ohne Parteizugehörigkeit an – ein Novum im Kommunalwahlkampf 2025.
- 22.08.2025 um 17:11
- Castrop-Rauxel
Frank Denk ist bei der Kommunalwahl 2025 eine Besonderheit: Er tritt als parteiloser Einzelbewerber im Wahlkreis 12 an – zusätzlich zu den Kandidaturen der Parteien. Auf seinen Plakaten ist zwar das TOP-Logo zu sehen; laut Denk handelt es sich dabei um eine geplante Wählervereinigung, er nutzt nach eigenen Angaben keine Parteiinfrastruktur und erhält keine Unterstützung. Beruflich ist er selbstständiger Unternehmer, lebt seit 1994 in Castrop-Rauxel und setzt im Wahlkampf auf Nähe im Viertel und direkte Gespräche.
CASNews: Welche Vorteile sehen Sie darin, nicht an eine Parteilinie gebunden zu sein? Und welche Nachteile bringt es mit sich, ohne Parteiapparat im Rücken anzutreten?
Frank Denk: Die Nachteile sind eindeutig definierbar: Die gesamte Arbeit für den Wahlkampf liegt bei einer Person, ich kann auch aus versicherungstechnischen und datenschutzrelevanten Aspekten niemanden in diese Arbeiten einbinden. Einige Freunde haben Hilfe angeboten. Jedoch ist dieser Nachteil auch gleichzeitig ein Vorteil, die Menschen im Wahlkreis nehmen mich als Arbeiter im Wahlkampf wahr und respektieren das Arbeitsaufkommen als "endlich mal einer der wirklich was für die Wahl macht." Ein riesengroßer Vorteil ist aber, dass ich mich auf diesen Wahlkreis konzentrieren kann, hier die Probleme vorrangig sehe und nennen kann. Dem Großen und Ganzen und anderen Mitstreitern muss ich keine vorrangige Beachtung schenken.
CASNews: Wie realistisch schätzen Sie Ihre Chancen ein, Ihren Wahlkreis direkt zu gewinnen? Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass es klappen könnte?
Frank Denk: Der Zuspruch ist groß, viele Nachbarn und Freunde melden sich. Meine Mitarbeit im Siedlerbund mit seinen 200 Siedlerstellen, also rund 400 Bürgern, lässt mich selbstverständlich hoffen. Der Wahlkreis ist, wie andere natürlich auch, in vier größeren Blöcken zu sehen. Die SPD, die wahrscheinlich viele Wähler verlieren wird (ich gehe von rund 26% aus, die verbleiben), die CDU mit ca. 17% wird an mich viele Stimmen abgeben, die AfD (wird ziemlich stark werden - das zeigen meine Gespräche - also schätze ich auf rund 12%) und die anderen Parteien (Grüne, BSW, Linke, Die Partei, FDP - ca. 25% zusammen). Bleiben also 20% für mich. Das ist realistisch! Ich hoffe natürlich auf Überraschungseffekte. Wer weiß!
CASNews: Haben Sie bereits Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt oder ist dies Ihr politisches Debüt?
Frank Denk: Ich habe bereits in meiner Jugend in der Kommunalpolitik mitgemacht. Damals über die Junge Union, später in der CDU. Über einen Sitz in einem Ausschuss durfte ich eine Zeitlang als sachkundiger Bürger an der politischen Arbeit schnuppern. Leider musste ich feststellen, dass die Postenschieberei für viele der damaligen Parteikollegen wichtiger war, als den Bürgerinnen und Bürgern Gehör zu schenken und mit diesen zu arbeiten. Da standen sich wirkliche Kompetenzen von einigen wenigen Politikern den Machtspielchen anderer, nicht wirklich intelligenter Kollegen, gegenüber. Wenn nur wenige Menschen noch in der Politik mitarbeiten wollen, dann muss eine Parteienführung schauen, alle an Bord zu halten. Das war nicht gegeben, also habe ich meinen Mund aufgemacht - das kam wohl nicht gut an! Ich aber stehe dazu.
CASNews: Auf Ihren Wahlplakaten ist das TOP-Logo zu sehen, offiziell treten Sie aber als parteiloser Kandidat an. Können Sie diese scheinbare Diskrepanz erklären?
Frank Denk: Die Gründung einer Wählervereinigung mit diesem Namen und dem Logo war vorgesehen. Jedoch wäre diese Arbeit der Gründung vor der Kommunalwahl nicht zu realisieren gewesen. Wer weiß!
CASNews: Welche Verbindung haben Sie zur TOP-Partei? Sind Sie Mitglied, Sympathisant oder nutzen Sie nur deren Infrastruktur?
Frank Denk: Ich nutze tatsächlich keine Infrastruktur einer Partei oder Wählervereinigung, bekomme auch keine Unterstützung. Ich habe mich an der TOP-Partei Herten orientiert. Fred Toplak, der für das Bürgermeisteramt dort kandidiert, ist ein langjähriger Freund.
CASNews: Inwieweit orientieren Sie sich an den Positionen der TOP-Partei, und wo würden Sie gegebenenfalls eigene Wege gehen?
Frank Denk: Ich orientiere mich an den Werten meiner Familie, den Werten von Freunden und Bekannten aus dem Siedlerbereich - also bürgerlich in der Mitte.
CASNews: Was sind die drei wichtigsten Themen, für die Sie sich in Castrop-Rauxel einsetzen möchten?
Frank Denk: Die Infrastruktur muss verbessert werden. Großen Projekten oder Vorschlägen, wie zum Beispiel der Straßenbahn, kann ich nichts abgewinnen. Wir benötigen in Castrop-Rauxel mehr bezahlbaren Wohnraum, die Bauvorschriften und -vorgaben müssen durchforstet werden, Bauanträge müssen schneller beschieden werden.
CASNews: Wie finanzieren Sie Ihren Wahlkampf? Wer unterstützt Sie bei Plakaten, Flyern und Organisation?
Frank Denk: Ich erfahre keine große Unterstützung. Durch meine Arbeit als Grafiker und Drucker kann ich natürlich einen großen Teil der Wahlkampfwerbung selber erstellen. Natürlich muss auch ich als Privatperson die Materialien einkaufen. Da ich durch meine Tätigkeit finanziell unabhängig bin, benötige ich keine Spenden.
CASNews: Haben Sie ein Team von Unterstützern oder sind Sie weitgehend auf sich allein gestellt?
Frank Denk: Ich habe einige Unterstützer, die ich aber in die Arbeiten nicht einbinde. Ich möchte das als Person schaffen. Eine kurzfristige Mitarbeit bei der Plakataktion gab es durch gute Freunde. Bei der Verteilung von Werbematerial verlasse ich mich nur auf mich selbst, ein kleiner Versuch, dies anders zu machen, scheiterte.
CASNews: Wie erreichen Sie die Wähler ohne Parteistrukturen? Welche Wahlkampfstrategie verfolgen Sie?
Frank Denk: Ich möchte durch die Nähe und die Verbundenheit zu Nachbarn und Freunden Wählerstimmen gewinnen, möchte die Menschen hier davon überzeugen, dass sich Mut und Arbeit doch noch lohnen.
CASNews: Können Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Hintergrund erzählen? Was qualifiziert Sie für die Ratsarbeit?
Frank Denk: Der Wirtschaft in Castrop-Rauxel bin ich als selbstständiger Unternehmer seit Jahrzehnten verbunden. Mit Hochphasen und auch Tiefpunkten musste ich auskommen und konnte lernen. Diese Erfahrungen kann ich in den Rat einbringen - Unternehmer und Macher fehlen dort fast gänzlich. Da sind auch die Marketing-Erfahrungen wichtig. Sollte ich den Wahlkreis gewinnen (oder zumindest einen hohen Stimmenanteil holen), dürfte dies auch der Beweis dafür sein.
CASNews: Was verbindet Sie persönlich mit Castrop-Rauxel? Wie lange leben Sie schon hier?
Frank Denk: Ich wohne seit 1994 hier, mich hat die Arbeit für einen Verlag hierher gelockt.
CASNews: Angenommen, Sie schaffen den Einzug in den Stadtrat: Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Fraktionen vor?
Frank Denk: Meine Stimme gehört immer meiner Entscheidung, der Sachentscheidung. Diese bilde ich aus Erfahrungen und Gesprächen in der Bürgerschaft. Eine Zusammenarbeit sehe ich momentan kaum, Kontakte loser Natur gibt es tatsächlich nur zur FDP in Form von Nils Bettinger als auch minimal zur SPD. Die CDU hatte bisher entschlossen mich zu meiden, damit muss und kann ich umgehen.
CASNews: Sehen Sie Ihre Kandidatur als einmaligen Versuch oder als Beginn einer längerfristigen politischen Laufbahn?
Frank Denk: Wir werden nach der Kommunalwahl sehen, ob und wie wir eine Wählervereinigung etablieren können. Das ist das Ziel!
CASNews: Was würden Sie als Erfolg Ihrer Kandidatur betrachten - auch wenn es nicht zum Mandat reicht?
Frank Denk: Bereits ein Stimmenanteil von 10% wäre ein Erfolg, das ist so mein Minimalziel.
CASNews: Welche Botschaft möchten Sie den Wählern in Castrop-Rauxel mit auf den Weg geben? Warum sollten sie Ihnen ihre Stimme geben?
Frank Denk: Ich habe mit dieser Kandidatur auch zeigen wollen, dass wir wieder mehr mutige Menschen brauchen, die anpacken und mitentscheiden, die nicht nur meckern über die da oben, sondern bei den Entscheidungen derer da oben helfen.
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- Quelle(n): CASNews
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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