Öffentliche Ladesäulen in Castrop-Rauxel: Wenn Standzeit teurer wird als Strom
Leser berichten von hohen Zusatzkosten beim Laden – besonders Haushalte ohne eigene Wallbox geraten unter Druck
- 23.02.2026 um 17:50
- Castrop-Rauxel
Die öffentliche Ladeinfrastruktur in Castrop-Rauxel steht erneut in der Kritik. Anlass sind mehrere Hinweise von Lesern, die beim Laden ihres Elektroautos an städtischen Ladesäulen deutlich höhere Kosten für Stand- oder Blockierzeiten als für den eigentlichen Strom bezahlt haben.
Ein konkreter Fall zeigt die Problematik deutlich: Für einen Ladevorgang mit rund 7,6 Kilowattstunden fielen Stromkosten von weniger als vier Euro an. Hinzu kamen jedoch zusätzliche Gebühren für die Standzeit in Höhe von mehr als fünf Euro. Unterm Strich war das Parken während des Ladevorgangs teurer als der geladene Strom selbst.
Solche Konstellationen treten vor allem an AC-Ladesäulen mit 11 bis 12 Kilowatt Ladeleistung auf. Diese Säulen sind technisch auf längere Ladezeiten ausgelegt. Je nach Fahrzeug, Batteriestand oder Außentemperatur dauert ein vollständiger Ladevorgang mehrere Stunden. Genau hier greifen bei vielen Anbietern sogenannte Minuten- oder Blockiergebühren.
Die Stadtwerke Castrop-Rauxel unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Ladeformen: dem vertragsbasierten Laden über Roaming-Anbieter und dem Ad-hoc-Laden direkt an der Säule. Beim vertragsbasierten Laden liegt die Preisgestaltung vollständig bei den jeweiligen E-Mobility-Providern wie etwa EnBW, ADAC, Aral oder Shell. Viele dieser Anbieter erheben inzwischen Blockiergebühren, um eine längere Belegung der Ladeplätze zu vermeiden. Beim Ad-hoc-Laden hingegen legen die Stadtwerke selbst den Preis fest. Dieser beträgt aktuell 65 Cent pro Kilowattstunde; zeitabhängige Zusatzgebühren fallen dabei nicht an.
Den von Lesern geschilderten Zielkonflikt bestätigen die Stadtwerke ausdrücklich: Einerseits seien zahlreiche AC-Ladesäulen bewusst in Wohngebieten installiert worden, um ein Übernachtladen zu ermöglichen. Andererseits würden Nutzer beim Laden über Drittanbieter zunehmend mit Blockiergebühren konfrontiert.
Besonders betroffen sind Haushalte ohne eigenen Stellplatz oder Wallbox. Sie sind vollständig auf öffentliche Ladepunkte angewiesen und können Ladezeiten kaum flexibel gestalten. Für diese Nutzergruppe führen zusätzliche Zeitgebühren schnell zu spürbaren Mehrkosten.
Zur Frage einer fairen Einbindung verweisen die Stadtwerke darauf, dass jeder E-Auto-Fahrer bereits heute über das Ad-hoc-Laden ohne Standgebühr laden könne. Der Preis von 65 Cent pro Kilowattstunde erscheine im Vergleich zum Haushaltsstrom zwar hoch, sei jedoch durch zusätzliche Kosten erklärbar. Dazu zählen Anschaffung der Infrastruktur, regelmäßige Wartung und Prüfung, ein 24/7-Störungsdienst sowie Abrechnungs- und Anbindungskosten. Zudem argumentieren die Stadtwerke, dass das Laden selbst bei diesem Tarif im Vergleich zu einem Verbrennerfahrzeug nicht teurer sei.
Gleichzeitig arbeiten die Stadtwerke an einem eigenen vertragsbasierten Ladeangebot in Form einer Stadtwerke-Ladekarte. Diese Lösung soll voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 starten und den Anwendungsfall des Übernachtladens ausdrücklich berücksichtigen. Konkrete Tarifdetails wurden bislang nicht genannt.
Fest steht: Soll die E-Mobilität auch für Mieter und Haushalte ohne eigene Lademöglichkeit praktikabel bleiben, wird die Ausgestaltung der öffentlichen Tarife eine zentrale Rolle spielen.
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- Quelle(n): Stadt Castrop-Rauxel & CASNews
Autor
Nina Möhlmeier
Freie Mitarbeiterin
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