3.800 Quadratmeter im Erinpark eingesät: Warum Blühwiesen auch im Herbst angelegt werden
Bürgerinitiative bringt heimisches Saatgut aus – Experten begleiteten die Vorbereitung und erklären, weshalb die Aussaat Ende Oktober sinnvoll sein kann
- 01.11.2026 um 17:54
- Castrop-Rauxel
Rund 3.800 Quadratmeter im Erinpark sollen künftig noch artenreicher blühen. Am Samstag (31. Oktober 2026) haben engagierte Bürger gemeinsam mit Unterstützung des EUV Stadtbetriebs eine große Fläche mit heimischem Wildpflanzensaatgut eingesät. Die Aktion war Teil eines länger vorbereiteten Projekts der Interessengemeinschaft Blühwiesen und des Klimabündnisses Castrop-Rauxel. Doch warum wird ausgerechnet Ende Oktober gesät? Diese Frage hatten zahlreiche Leser bereits im Vorfeld in den Kommentarspalten aufgeworfen.
Wolfgang Schlabach, einer der Beteiligten, berichtet von einer gelungenen Aktion. „Es hat allen viel Spaß gemacht“, schreibt er an CASNews. Auch der EUV habe sich an den Arbeiten beteiligt. Hinter der Einsaat stecke allerdings deutlich mehr Vorbereitung, als auf den ersten Blick erkennbar sei.
Warum die Aussaat Ende Oktober noch sinnvoll sein kann
Die Zweifel einiger Leser sind durchaus nachvollziehbar. Schließlich beginnt die kalte Jahreszeit, und viele Pflanzen stellen ihr Wachstum bereits ein. Tatsächlich ist der Herbst aber grundsätzlich ein geeigneter Zeitraum für die Aussaat zahlreicher heimischer Wildpflanzen. Manche Arten benötigen sogar eine längere Kälteperiode, bevor ihre Samen keimen können. Diese sogenannten Kaltkeimer profitieren davon, wenn sie den Winter im Boden beziehungsweise an der Bodenoberfläche verbringen.
Allerdings ist nicht jeder Herbsttermin gleichermaßen günstig. Entscheidend sind unter anderem die verwendete Saatgutmischung, die Bodenverhältnisse und die Witterung. Eine sehr späte Aussaat kann beispielsweise das Risiko erhöhen, dass bereits gekeimte Jungpflanzen durch Frost geschädigt werden.
Für das Projekt im Erinpark haben sich die Verantwortlichen deshalb fachlich beraten lassen. Nach Angaben Schlabachs fanden Begehungen und Gespräche mit der Biologischen Station in Dorsten sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Recklinghausen statt. Die Untere Naturschutzbehörde habe bestätigt, dass die Aussaat bei geeigneten milden Witterungsbedingungen auch noch im November erfolgen könne.
Die Entscheidung für den Termin Ende Oktober erfolgte damit nach Darstellung der Initiative nicht zufällig, sondern auf Grundlage der örtlichen Gegebenheiten und der fachlichen Beratung.
Heimisches Saatgut für mehr Artenvielfalt
Die Flächen im Erinpark sind bereits mit einer Grasnarbe bewachsen, in der sich nach Angaben Schlabachs schon zahlreiche Blütenpflanzen finden. Ziel der Aktion ist es deshalb nicht, die vorhandene Vegetation vollständig zu ersetzen, sondern die Artenvielfalt gezielt zu ergänzen.
In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde wurde dafür die Saatgutmischung „Emscherland UG 2“ ausgewählt. Nach Angaben der Initiative stammt das verwendete Saatgut ausschließlich aus dem vestischen Raum und besteht aus heimischen Wildpflanzen. Bezogen wurde es über den Saatgutspezialisten Rieger & Hofmann, der die Samen zur besseren Verteilung mit Maisschrot mischte.
Eine Besonderheit: Viele der verwendeten Wildpflanzen sind sogenannte Lichtkeimer. Ihre Samen dürfen nicht tief in den Boden eingearbeitet werden, weil sie Licht für die Keimung benötigen. Stattdessen werden sie oberflächlich ausgestreut und anschließend leicht angewalzt, damit sie ausreichend Kontakt zum Boden erhalten.
Schonende Vorbereitung der vorhandenen Wiesen
Die Vorbereitung der Flächen übernahm nach Angaben Schlabachs die Firma Terra und Turf aus Frohlinde unter Leitung von Roman Vierhaus. Dabei wurde die vorhandene Wiese zunächst mit einem schonenden Mähbalken geschnitten. Das Mähgut blieb einige Tage liegen, bevor es vollständig abgetragen wurde. Anschließend wurde die Grasnarbe mit einem Striegel aufgelockert und angeritzt, ohne sie vollständig zu zerstören.
Dieses Verfahren schafft offene Stellen, an denen das neue Saatgut mit dem Boden in Kontakt kommen kann. Gleichzeitig bleibt die bereits vorhandene Vegetation weitgehend erhalten. Nach dem Ausstreuen der Samen wurde die Fläche leicht angewalzt.
Die Vorgehensweise soll den bestehenden Pflanzenbestand schonen und gleichzeitig zusätzlichen Wildblumen die Möglichkeit geben, sich dauerhaft anzusiedeln.
Blütenvielfalt braucht Geduld
Wer bereits im kommenden Frühjahr eine vollständig blühende Wiese erwartet, könnte allerdings enttäuscht werden. Nach Einschätzung der Initiative wird sich die neue Pflanzenvielfalt voraussichtlich erst im zweiten Jahr nach der Aussaat optimal entfalten.
Auch die künftige Pflege unterscheidet sich von der einer gewöhnlichen Rasenfläche. Nach den Planungen soll die nächste Mahd im späten Frühjahr 2027 erfolgen. Anschließend ist vorgesehen, die Wiesen höchstens einmal jährlich zu mähen. Der EUV hatte bereits im vergangenen Sommer auf eine vollständige regelmäßige Mahd verzichtet und vor allem die Randbereiche sowie die Flächen an und zwischen den Bäumen gepflegt.
Zwischen den Beteiligten und dem EUV wurde nach Angaben Schlabachs zudem eine Vereinbarung getroffen, nach der die betreffenden Flächen dauerhaft als Blühwiesen entwickelt werden sollen. Nicht alle angrenzenden Bereiche sind allerdings dafür vorgesehen: Die Fläche vor der Wewole soll beispielsweise keine Blühwiese werden.
Weitere Projekte in Castrop-Rauxel denkbar
Die Initiative hat bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Maßnahmen gesammelt. Im Emscherland zwischen den Weinbergen wurden nach Angaben Schlabachs erfolgreich Blühwiesen mit derselben Saatgutmischung angelegt.
Für die Beteiligten war die Vorbereitung des Erinpark-Projekts zugleich ein Lernprozess. Sowohl das Klimabündnis als auch die Interessengemeinschaft Blühwiesen hätten sich zunächst intensiv mit den fachlichen Anforderungen beschäftigen müssen, berichtet Schlabach. Inzwischen bestehe auch beim EUV großes Interesse an der Entwicklung weiterer Blühflächen.
Weitere Projekte im Stadtgebiet seien bereits im Gespräch. Konkrete Informationen sollen folgen, sobald entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen sind.
Wer sich über die Bürgerblühwiesen informieren oder selbst engagieren möchte, findet weitere Informationen auf der Projektwebsite cr-bluehwiese.de.
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- Quelle(n):
Autor
Nils Bettinger
Gründer und Redaktionsleiter.
Hält den Kopf für alles hin.
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